Gerber_featured-image_webmag

Von der Kuh zum Schuh

LANXESS bildet zwei junge Fachkräfte für Lederherstellung und Gerbereitechnik aus

Hunderttausende Schülerinnen und Schüler in Deutschland sind im August diesen Jahres ins Berufsleben gestartet. 140 davon haben ihre Ausbildung beim Spezialchemiekonzern LANXESS begonnen. Darunter auch Felix Wengenroth und Nils Zegelski. Beide haben sich für ein Handwerk entschieden, das Tradition hat, aber heute nicht mehr so stark wie früher im Blickpunkt der öffentlichen Wahrnehmung steht. „Oft habe ich von Freunden gehört: Gibt es den Beruf überhaupt noch? Stinkt das nicht? Ist das nicht giftig?“, berichtet der 21-jährige Wengenroth.

Gemeint ist der Beruf des Gerbers, der sich weiterentwickelt hat und heute „Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik“ heißt. Gerber verarbeiten Tierhäute zu Leder, die dann beispielsweise in der Schuh- und Bekleidungs-, Möbel- oder Automobilindustrie zum fertigen Produkt weiterverarbeitet werden. „Für den Beruf des Gerbers braucht man handwerkliches Geschick und Kreativität. Haut ist ein Werkstoff genau wie Holz. Es ist ein technischer Beruf, bei dem Wissen über Chemie, Maschinen, aber auch Biologie – zum Beispiel über die Zusammensetzung des Bindegewebes – benötigt wird“, erklärt Dr. Dietrich Tegtmeyer, Leiter Innovation im LANXESS-Geschäftsbereich Leder.

Leder in den Genen

Gerber1_webmagDie Zahl der Gerber-Lehrlinge in Deutschland ist übersichtlich. Rund 20 junge Menschen beginnen jährlich eine dreijährige Ausbildung in diesem Handwerk. Voraussetzung ist ein ordentlicher Hauptschulabschluss. Die Berufsschule befindet sich für alle Azubis zentral in Reutlingen. Dort findet der Unterricht in mehrwöchigen Blöcken statt. „Ich habe mein Studium zurückgestellt, um Gerber zu werden. Seit meiner frühesten Kindheit bin ich mit Leder vertraut. Denn bereits mein Großvater und mein Vater sind Gerber“, erläutert Felix Wengenroth seine Entscheidung für diesen Beruf, der ihm quasi in die Wiege gelegt wurde. Für den 20-jährigen Nils Zegelski war die Individualität ausschlaggebend. „Ich möchte einen Beruf erlernen, der nicht alltäglich ist. Es ist schließlich etwas Besonderes, aus einem Abfallprodukt ein Premiumprodukt wie etwa ein Veloursleder für luxuriöse Handtaschen herzustellen.“

Abfallprodukt? Das stimmt: Die Häute stammen aus der Lebensmittelindustrie. Kein Rind wird extra wegen seiner Haut getötet. Das Fleisch wird in den Fleischereien verarbeitet. Die Rohhäute werden in die Gerbereien gebracht. „Die heimische Kuh hat eine bessere Haut als beispielsweise ein Zebu aus Indien. Bei uns hat die Haut in der Regel weniger Insektenstiche und sonstige Verletzungen“, betont Tegtmeyer. In Deutschland und Europa gelten bei der Lederproduktion hohe industrielle Standards. Die moderne Lederherstellung ist eine Hightechproduktion und hat mit den immer noch gängigen Vorstellungen nichts mehr zu tun.

Von der Haut zum Leder

Ganz grob kann man den Weg von der Tierhaut zum Leder in zwei große Etappen einteilen: Das Gerben und das Zurichten. Schritt eins: Die frische Tierhaut trägt noch Haare. Leder nicht. Deshalb werden die Haare auf biologisch sanfte Weise entfernt. Den eigentlichen Gerbschritt übernehmen moderne Hilfsmittel wie Chrom- und Metallsalze. Gerbstoffe und Gerbhilfstoffe verknüpfen die vielen losen Kollagenfasern der Haut untereinander. Erst dadurch wird aus dem verderblichen Ausgangsmaterial ein fäulnisbeständiger, wasserfester, elastischer und geschmeidiger Stoff.

Wenn die Haut gegerbt ist, ist das Leder aber noch lange nicht fertig. Es fehlt noch eine Folge von Verarbeitungsschritten, die so genannte Zurichtung. Unter diesem Oberbegriff fasst man alles zusammen, was das Leder verschönert und verbessert – eben zu dem Material macht, das wir nicht nur aus den Modezeitschriften kennen. Das „Zurichten“ des Leders bedeutet Grundieren, Lackieren und beinhaltet spezielle Dehnungsschritte, die die zähe Haut elastisch und weich machen. Auch das Schleifen des Leders gehört dazu: Ein Verfahren, um Oberflächenbeschädigungen zu beseitigen. Die Königsdisziplin ist für viele Leder-Zurichter das Veredeln der Leder mittels spezieller Beschichtungen, die sich wie eine zweite Haut auf die echte legen. Sie bringen Glanz, Farbe sowie angenehme Haptik und machen manche Leder regelrecht unverwüstlich. Andere gleichen Löcher und Narben aus, die Insektenstiche oder Stacheldraht in der Haut des Tieres hinterlassen haben.

In Leverkusen betreibt LANXESS ein Forschungs- und Entwicklungstechnikum mit rund 60 Mitarbeitern. Es beherbergt unter anderem eine Gerberei im Kleinformat. Von gesalzenen Rinder-Rohhäuten bis zum fertigen Leder durchläuft das Material alle Schritte, die auch in großen Gerbereien vollzogen werden. LANXESS liefert seinen Kunden Lederchemikalien vom Gerbsalz bis zum Zurichtmittel. Im Technikum werden die Produkte getestet, der Einsatz der Chemikalien wird dem Kunden unter echten Bedingungen vorgeführt. Hier wird zum einen geprüft, ob die Leder-Produkte den Bedürfnissen der Kunden entsprechen, zum anderen werden auch Lösungen entwickelt, wenn sich etwa ein Kunde aus der Lederindustrie mit Problemen an LANXESS wendet. Die Experten setzen hier aber auch die jeweils aktuellen Trends der Modebranche um. Deshalb arbeitet LANXESS beispielsweise in Italien eng mit Modedesignern zusammen.

Gerberfachbegriffe im Sprachgebrauch

Ledertechniker Kai Burger bildet die beiden Lehrlinge Wengenroth und Zegelski bei LANXESS aus. Er hat selbst beim Spezialchemie-Konzern das Handwerk erlernt. Unterstützt wird er dabei von Susanne Döppert, die für die Produktentwicklung zuständig ist. Sie weist darauf hin, wie das Gerberhandwerk mit seinen Produkten nicht nur unseren Alltag, sondern auch unsere Sprache beeinflusst: „Aus dem Gerberhandwerk haben sich viele Redewendungen ergeben. Etwa: Wenn einem die Felle davon schwimmen. Früher wurde an den Flüssen gearbeitet und die Felle im Wasser gewaschen. Da kam es schon mal vor, dass die Felle davontrieben. Oder, wer kennt nicht den Spruch, ‚das geht auf keine Kuhhaut‘, wenn etwas jegliches Maß übersteigt.“ Dieser Ausspruch hat seinen Ursprung im Mittelalter als die Menschen glaubten, der Teufel höchstpersönlich würde ihre Sünden auf einem Pergament aus Tierhäuten notieren. Danach entschied sich, ob der Mensch in den Himmel oder Hölle kommen sollte. Und die größte Haut war die der Kuh.

 

LANXESS bietet pro Jahr ein bis zwei Lehrstellen für Gerber an. Wer sich für das Ausbildungsjahr 2016 bewerben möchte, findet im Internet unter www.ausbildung-lanxess.de weitere Informationen.

Teilen

[wp_social_sharing social_options='facebook,twitter,linkedin' show_icons='1']


Lernen Sie unsere Mitarbeiter kennen und lesen Sie, warum sie gerne bei LANXESS arbeiten



Haben Sie Fragen zu unseren Produkten oder Anwendungen?

Diese Seite teilen