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Mutig an Dinge herangehen

Sarah Drayna von LANXESS Business Unit Leather leitet die American Leather Chemists ­Association – eine historisch männlich dominierte Organisation.

Sie rät jungen Frauen, keine Scheu vor Herausforderungen zu haben.

Bild-Drayna_web LANXESS:  Frau Drayna, Sie sind Präsidentin der American Leather Chemists Association (ALCA). Wofür steht die Vereinigung?

Sarah Drayna: Die ALCA ist die einzige Technische Leder-Organisation in den USA und setzt sich aus Gerbern, Veredlern, Chemie- und Ausrüstungslieferanten so­wie F&E-Wissenschaftlern und Regulierungsfachleuten zusammen. Unsere Mission ist es, den Fortschritt für Wissenschaft sowie Technikanwendungen in Bezug auf die Leder- und Lederprodukt-Industrie zu fördern und zu unterstützen.

LANXESS: Was sind Ihre Zuständigkeiten?

Sarah Drayna: Eine meiner Aufgaben ist es, an der Spitze unserer Initiativen zu stehen. So haben wir damit begonnen, eine Richtlinie für Listen eingeschränkt nutzbarer Substanzen festzulegen, nachdem ich diese Position übernommen habe. Zurzeit haben wir nämlich Dutzende Listen, die einzelne Gerber nutzen. Unser Ziel ist es, eine vollständige Liste zu erstellen, die alle Facetten des Prozesses enthält. In diesem Jahr wollen wir auch unsere technischen Ausschüsse neu positionieren und sie relevanter für die heutige Industrie machen. Neben diesen Entwicklungsaufgaben finden zudem Gesamtratsversammlungen sowie unsere Technische Jahrestagung statt, die Referenten aus aller Welt zusammenbringt.

LANXESS: Sie sind eine der wenigen Frauen mit einer so hohen Position in der Lederchemie-Branche…

Sarah Drayna: Tatsächlich bin ich erst die dritte Frau in dieser Position – und es gab schon 71 Präsidenten in der ALCA. Die Lederindustrie ist historisch eine sehr männlich dominierte Branche, was noch deutlicher in den technischen und operativen Abteilungen wird. Das liegt zum Teil sicher daran, dass dort harte, körperliche Arbeit verrichtet wird, insbesondere in Gerbereien.

Um in dieser Branche Erfolg zu haben, muss man seinen Kunden zuerst beweisen, dass man über das nötige technische Know-how verfügt, um ihnen zu helfen. Außerdem darf man sich nicht von der Arbeitsumgebung einschüchtern lassen. Glücklicherweise schrecken mich weder harte Arbeit noch ein strenger Geruch ab. Nachdem diese Hürde genommen ist, muss man den Persönlichkeitstest bestehen. Gerbereien müssen einen vor Ort „haben wollen“, da man einen großen Teil der Zeit damit verbringt, Testversuche durchzuführen. Das erfordert ihre Bereitschaft, Geschäftspartner im Entstehungsprozess mit neuen Produkten experimentieren zu lassen, und einen umfassenden Zugriff auf ihre Anlagen.

LANXESS: Was ist Ihr Geheimnis?

Sarah Drayna: Die Gerber wollen vor allem wissen, dass man einer von ihnen ist und die gleichen Dinge mag wie sie. Und wenn eine Frau das mitbringt, ist das sogar noch interessanter für die Gerber. Zum Glück habe ich die entsprechende Persönlichkeit, denn ich liebe es, über Sport zu reden und schätze einen guten Witz. Nach Feierabend kann ich auch mal mit Gerbern ein kühles Bier genießen. Ich habe daher einen sehr guten Draht zu ihnen.

LANXESS: Was sind Ihre Zuständigkeiten bei LANXESS?

Sarah Drayna: Ich leite die Business Unit Leather in den USA und Kanada, wo wir ein kleines, aber sehr effizientes Team und daher viele Aufgaben haben. Zusätzlich habe ich die regionale Verantwortlichkeit für Direktverkäufe für mehrere Bereiche sowie die globale Verantwortung für einen unserer größten Autokunden. Vor dieser Tätigkeit hatte ich verschiedene technische Positionen mit zunehmendem Verantwortungsbereich innen; von der Laborleitung bis hin zur technischen Leiterin für NAFTA. Ich habe auch einige Jahre für die Business Unit Material Protection Products gearbeitet, bevor ich bei Leather im Jahr 2004 angefangen habe.

LANXESS: Wie wirkt sich Ihre Position bei ALCA auf Ihre Arbeit aus?

Sarah Drayna: Viele Aspekte meiner Arbeit bei ALCA kommen LANXESS zugute. Zuallererst kann ich uns als Innovationsführer in der Branche positionieren, indem ich gewährleiste, dass wir an allen Entwicklungen teilnehmen und dass die Stimme von LANXESS bei allen Entscheidungen gehört wird. Darüber hinaus überträgt sich mein Engagement für ALCA auch auf LANXESS. In einer Branche, in der sich die Wettbewerber konsolidieren, ist es wichtig, LANXESS’ Engagement für die Lederindustrie und für die Entwicklung von Technologien herauszustellen. So können wir sowohl das Industriewachstum als auch die Nachhaltigkeit fördern.

LANXESS: Bleibt Ihnen überhaupt noch Freizeit? Und wie verbringen Sie diese?

Sarah Drayna: Während mich meine Arbeit innerhalb der Woche voll ausfüllt, hält meine Familie mich an den Wochenenden auf Trab. Ich habe einen sehr sportlichen neun Jahre alten Sohn, der in verschiedenen Staaten mit Eis- und Rollhockey in Wettbewerben antritt. Wir verbringen daher das ganze Jahr über viele Wochenenden unterwegs. Wenn wir nicht auf einer Eisbahn sind, genießen wir alle Aktivitäten im Freien, vor allem Golf, Camping und alles, was mit Wasser zu tun hat.

LANXESS: Haben Sie einen Ratschlag für junge Frauen?

Sarah Drayna: Alles ist möglich, wenn Sie sich nicht scheuen, neue Herausforderungen anzunehmen. Dazu muss man sich aber auch einmal außerhalb der Komfortzone begeben und sich vor allem nicht von anderen sagen lassen, welchen Job man machen soll. Die Welt der Wissenschaft öffnet sich immer mehr für Frauen. In den USA erkennt man diese Veränderungen anhand der Frauen, die ein Wissenschaftsstudium aufnehmen und Abschlüsse in Gebieten machen, die bislang vorwiegend männlich dominiert waren.

Ich hoffe, dass sich dieser Trend weltweit fortsetzt. Denn sobald man eine Ausbildung hat, öffnen sich viele weitere Türen! Man muss aber für sich die richtige Tür finden und zeigen, was in einem steckt. Menschen reagieren positiv auf einen, wenn man souverän ist in dem, was und wie man es tut. Und dann öffnen sich noch viele weitere Türen.

LANXESS: Wie wichtig waren Vorgesetzte bei Ihrem beruflichen Werdegang?

Sarah Drayna: Ich hatte sehr viel Glück, dass ich für einige große Persönlichkeiten arbeiten durfte, die bereit waren, mir eine Chance zu geben. Man muss sich mit Menschen umgeben, die an dich glauben und dich unterstützen – und die dafür sorgen, dass du dich weiterentwickelst. Diese Elemente machen den Unterschied beim Erreichen beruflicher Ziele aus.

 

PERSÖNLICHER WERDEGANG Sarah Drayna leitet die Business Unit Leather in den USA und Kanada und sie ist Präsidentin der American Leather Chemists Association (ACLA). Sie verfügt über einen Bachelor- und Master-Abschluss in Biologie mit Schwerpunkt auf Mikrobiologie ­und Molekularbiologie. Ihre erste Forschungstätigkeit war in einem medizinischen Forschungslabor zur Ausführung genetischer Zuordnung. Nach dem Wechsel in die chemische Industrie­ leitete sie ein mikrobiologisches Labor für die Firma Nalco Chemical Company, die später von Bayer ­übernommen und bei der Business Unit Material Protection Products eingegliedert wurde. 2004 fing sie bei der Business Leather an. Drayna ist verheiratet und hat einen neun Jahre alten Sohn.